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Nazi-Aufmarsch in Dresden verhindert

Blockaden, Friedensgebet und Menschenkette: Zehntausende erfolgreich gegen Rechts

Erstmals seit 1990 ist es gelungen, in Dresden einen Neonaziaufmarsch zu verhindern. Dieser Erfolg wurde durch die Vielfalt der Initiativen und Protestformen am 13. Februar 2010 möglich. Schon früh morgens hatten sich tausende Junge und Alte, Zugereiste und Einheimische, Evangelische Studentengemeinden, Punks, Junge Gemeinden, Autonome, Alternative und AnhängerInnen unterschiedlichster Parteien zu Blockaden in der Dresdener Neustadt eingefunden – und damit den Neonaziaufmarsch unmöglich gemacht. Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) hat – gemeinsam mit der Amadeu-Antonio-Stiftung, der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen, dem Kulturbüro Sachsen e.V. und der AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen, in der auch bytes4eyes.de mitarbeitet, – mit zwei eigenständigen Projekten ebenfalls zum Erfolg der Proteste beigetragen.

Bundesarbeitsgemeinschaft gegründet
Am Vorabend des 13. Februar wurde in Dresden die „Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ gegründet. Dabei unterstrichen die 120 TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland – u.a. PfarrerInnen, TheologInnen, EKD-VertreterInnen und engagierte Einzelpersonen – die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und der extremen Rechten sowohl innerkirchlich als auch in der Gesellschaft.

Friedensgebet
Während in der Dresdener Neustadt schon tausende Menschen den Aufmarsch der Neonazis blockierten, eröffnete Katrin Göring-Eckardt mit dem Satz „Erinnerung soll nicht verklären oder beruhigen, sie soll aufrütteln und unbequemes zum Thema machen“ am späten Vormittag des 13. Februar 2010 am Postplatz das „Friedensgebet für alle Menschen guten Willens“, das ASF mit den Partnern organisiert hatte. „Den geschichtsrevisionistischen Missbrauch der Bombardierung Dresdens durch alte und neue Nazis lehnen wir ab“, betonte die Präsidentin des Evangelischen Kirchentags 2011 in Dresden. Auf dem Weg durch das Stadtzentrum schlossen sich dem bunt gemischten Kreis der zunächst 500 TeilnehmerInnen des Friedensgebets dann viele Menschen an – ganz offensichtlich fühlten sie sich angesprochen von den Sambaklängen der Escola Popular der EKM, von der unüberhörbaren Sächsischen Posaunenmission und der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Dresdens Geschichte im Nationalsozialismus – jenseits aller Mythen. „Der 13. Februar und die Verbrechen, die ihm vorausgegangen sind, sind Mahnung und Aufruf zur Versöhnung zugleich. Damit das gelingen kann, müssen wir mehr Begeisterung für die Demokratie zeigen und dürfen nicht zulassen, dass rechtes Gedankengut gesellschaftliche Normalität wird. Dem Naziaufmarsch treten wir bunt und friedfertig, aber entschieden entgegen, denn Verantwortung für die Welt zu übernehmen gehört zur Aufgabe der Kirche“, sagte Katrin Göring-Eckardt weiter. Anetta Kahane, Geschäftsführerin der Amadeu Antonio Stiftung (AAS) erinnerte dann an ihren Großonkel, den Schriftsteller Victor Klemperer, der als einer der wenigen aus der jüdischen Gemeinde Dresdens die Schoa überlebte. „Die Bombardierung der Alliierten hat meinem Großonkel das Leben gerettet“, sagte Anetta Kahane. Und Hildegart Stellmacher von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. ergänzte, dass die letzten überlebenden Juden in Dresden alle einen Deportationsbefehl in die Vernichtungslager für den 16. Februar 1945 gehabt hatten. Grit Armories von der Opferberatung der RAA Sachsen betonte die Notwendigkeit der Solidarität mit den aktuellen Opfern rechter und rassistischer Gewalt in Sachsen – und machte deutlich, dass es für MigrantInnen, Flüchtlinge und alternative Jugendliche auch in Dresden „Orte der Angst“ vor extrem rechten Angriffen gibt.

Das Friedensgebet endete um kurz vor 13 Uhr vor dem Dresdener Rathaus: Hier waren mehrere tausend Menschen dem Aufruf von Dresdens Oberbürgernmeisterin Helma Orosz zu einer Menschenkette als Zeichen gegen den Neonaziaufmarsch gefolgt. Einige TeilnehmerInnen des Friedensgebets schlossen sich der Menschenkette an, andere wechselten zu den Protesten in die Neustadt. „Wir hoffen, dass der Erfolg der Proteste in Dresden einen Wendepunkt nicht nur in der Auseinandersetzung mit Neonaziaufmärschen, sondern auch in der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Einstellungen sowie mit den Mythen und Instrumentalisierungen des 13. Februar bedeutet“, sagt Christian Staffa, Geschäftsführer von Aktion Sühnezeichen.

Fotos: Linke Sachsen, asf-ev.de



13. Februar 2011

Aufruf zur Solidarität mit den Protesten gegen die Neonaziaufmärsche in Dresden

Der Landesjugendkonvent Sachsen, vertreten durch seinen Vorstand, hat am 07.11.2010 folgenden Aufruf beschlossen:

„Als evangelische Jugend finden wir es notwendig zu handeln, wenn Neonazis erneut versuchen einen der größten Aufmärsche Europas in unserer Landeshauptstadt abzuhalten und ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten. Wie im letzten Jahr in Jena, Köln, Berlin und dieses Jahr in Leipzig will sich auch 2011 in Dresden ein breites Bündnis durch Aktionen des zivilen Ungehorsams mit Menschenblockaden den Nazis entgegenstellen.

Als Christen werden wir nicht wegsehen, sondern werden uns in unserer vielfältigen Art und Weise an den Protesten gegen Aktionen von Neonazis rund um den 13. Februar 2011 in Dresden beteiligen. Wir rufen die Evangelische Jugend dazu auf, den Rechtsextremen nicht die Straße zu überlassen, sondern wollen den Neonazis, aber auch Dresden und der Welt zeigen, dass braunes Gedankengut bei uns keinen Raum haben darf und soll.“

Der Landesjugendkonvent ruft alle Einrichtungen und Mitarbeiter der Jugendarbeit in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens dazu auf, sich diesem Aufruf anzuschließen und über geeignete Wege den Jugendlichen unserer Jugendarbeit zur Kenntnis zu geben. Er hofft, auf diesem Wege so viele Menschen wie möglich zu mobilisieren und am 13. Februar in Dresden zu sehen.



Dreimal alles

60 Sekunden Facebook

Statusmeldungen, Freunde finden, Bilder hochladen, Kommentieren, Fotos taggen, Fanseiten mögen – das sind typische Aktivitäten, die die 500 Millionen Benutzer auf Facebook am liebsten vollziehen.

Der Kurzclip des Time Magazine zeigt, was und wieviel zig hundertausende User gleichzeitig in einer Minute auf Facebook tätigen.



Gute Nachricht

Pirna sieht Erfolge im Kampf gegen Neonazis

Der neue Pirnaer Koordinator gegen Extremismus, Johannes Enke, sieht in der Region große Erfolge im Kampf gegen rechte Gewalt. "In den letzten Jahren ist es uns gelungen, die Problematik der rechtsextremistischen Gewaltdelikte deutlich zurückzudrängen", sagte Enke MDR INFO. 2005 habe man im Landkreis Sächsische Schweiz noch 29 solcher Gewalttaten verzeichnet, 2009 seien es nur noch acht gewesen und das im wesentlich größeren Kreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge. weiter



Monsternadeln

Kunst mit Googles Suchnadeln

Zwischen den Jahren eine kleine Empfehlung: Aram Bartholl macht schöne Kunst für digitale Menschen. Er stellt Googles Suchnadeln da hin, wo Google die Zentren der Städte angibt, mauert USB-Sticks in Wänder, um damit ein anonymes Offline-peer-to-peer-file-sharing-Netzwerk zu schaffen und zeigt seinen Auftritt in Googles Streetview als seine 15 Seconds Of Fame (als er das Google-Streetview-Auto sah, rannte er winkend hinterher - und fand sich so online auch wieder). Na dann: Schöne Weihnachtsferien!



13.02.2011

Menschenkette bis in die Dresdner Neustadt

Gemeinsam mit Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) rufen die demokratischen Parteien des Stadtrates, Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft, Kultur, Sport, Gewerkschaften und Kirchen sowie die jüdische Gemeinde und zivilgesellschaftliche Akteure alle Bürger zum gemeinsamen Handeln am 13. Februar 2011 auf. Der Jahrestag der Luftangriffe auf Dresden von 1945 wird in diesem Jahr unter dem Motto „Erinnern und Handeln. Für mein Dresden" begangen. Die Menschenkette wird wieder als lebendiges Symbol durch die Altstadt führen. Es ist 2011 aber auch vorgesehen, die Elbe über zwei Brücken zu queren. Zum gesamten Aufruf



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